Aufgeben ist (k)eine Option

In der Kinderwunschcommunity auf Instagram und Facebook begegnet mir immer wieder das Motto „Aufgeben ist keine Option“. Ich merke, dass ich einen Widerstand spüre, wenn ich das lese. Was löst den Widerstand aus, habe ich mich gefragt und bin der Sache auf den Grund gegangen. Vielleicht liegt es daran, dass ich vor einiger Zeit selbst meinen Kinderwunsch aufgegeben habe und mir das Motto das Gefühl vermittelt, in Augen von anderen dafür bewertet zu werden und vielleicht als schwach oder gescheitert zu gelten. Wenn Aufgeben keine Option ist und ich diese gewählt habe, dann stimmt ja vielleicht etwas nicht mit mir. Und dann höre ich in mich hinein und ich spüre ganz deutlich: Es ist eine Entscheidung, die ich nicht bereue. Es war allerdings keine leichte Entscheidung.

 

Ich habe, nachdem ich – in Übereinstimmung mit meinem Mann – die Option „Aufgeben“ gewählt habe, ganz viel bekommen. Erst einmal die volle Ladung Trauer, Schmerz und Schuldgefühle. Das ist nicht schön, aber mal ganz ehrlich, vieles davon war vorher schon mehr oder minder stark vertreten. Jetzt durfte es in voller Wucht da sein – um dann langsam zu weichen. Denn es stellte sich schon ganz bald das Gefühl von großer Erleichterung ein. Erleichterung darüber, die mich jahrelang begleitende Ungewißheit nicht mehr aushalten zu müssen. Erleichterung darüber, endlich, endlich wieder verläßlich planen zu können. Mich nicht mehr nach Zyklus und Klinikterminen zu richten, ständig alle Pläne über Bord zu werfen, weil es ohnehin anders kommt als gedacht. Nicht mehr die Achterbahn von Gefühlen ständig rauf und runter fahren zu müssen. Die Hoffnung auf ein Kind zwar nicht mehr zu haben, aber auch keine Enttäuschung mehr zu erfahren, die immer nur einen halben Schritt hinterherhinkte. Endlich Gewißheit. Tiefer innerer Frieden machte sich breit. Ich konnte meine Kinderlosigkeit anerkennen und sehr schnell kamen Freude, Zufriedenheit und eine ganz und gar erfüllte Partnerschaft zurück in mein Leben, das sich jetzt auch ohne Kind komplett und richtig anfühlt.

 

Wir Menschen sind anpassungsfähig. Und ein Kind ist keine Garantie dafür, im Leben glücklich zu werden. Deshalb denke ich: Aufgeben zu dürfen ist eine ganz wichtige Option, die es in Betracht zu ziehen und anzuerkennen gilt. Etwas aufzugeben und loszulassen macht Platz für Neues. Weitermachen ist eine andere Option.