Ratschläge bei ungewollter Kinderlosigkeit

Bestimmt hast du schon mal den Spruch gehört, das Ratschläge Schläge seien. Ich finde, da ist wirklich etwas dran. Ratschläge, die vor allem ungefragt erteilt werden, lassen sie einen ganz schön dumm darstehen, auch wenn sie meist gut gemeint sind. So ist es bei Ratschlägen zum Thema Kinderwunsch. Vor allem, wenn sie von Menschen kommen, die bereits Kinder haben und das Problem nicht wirklich kennen, fühlen sie sich oft an, wie ein Schlag ins Gesicht. Ehrlich gesagt, meiner Erfahrung nach, sind es genau diese Menschen, die gerne ungefragt gutgemeinte Ratschläge verteilen. Auch wenn ich weiß, dass es einer guten Absicht entspringt und eine gewise Hilflosigkeit ausdrückt: Bitte tut es nicht!

Was Sie auf keinen Fall sagen sollten, wenn Ihnen jemand von einer ungewollten Kinderlosigkeit erzählt:

 

"Du musst dich nur entspannen, dann wird das schon!"

Einer der häufigsten und blödesten Ratschläge überhaupt. Ich glaube nicht daran, dass Spermien schneller schwimmen, wenn Mann oder Frau entspannter sind oder dass die Eizelle im entspannten Zustand empfängnisbereiter ist. Und wer kann sich schon entspannen, wenn die Hoffnung und Enttäuschung sich ständig abwechseln und das Leben gerade eine Achterbahnfahrt ist. Ein Versuch, mehr Entspannungsmomente in das Leben einzuladen, kann ungewollt Kinderlose unterstützen - zwar nicht in der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, sondern darin, besser mit der Situation umzugehen.

 

"Das wird schon! Ich kannte ein Paar, das auch das Problem hatte und jetzt haben sie zwei tolle Kinder!"

Das ist toll für das Paar, dennoch hilft es der Person, die gerade unter der ungewollten Kinderlosigkeit leidet, kein Stück weiter. Es bagatellisiert das Problem und die Wahrheit ist: Nicht jeder Kinderwunsch geht in Erfüllung. Auch wissen viele überhaupt nicht, was die Menschen, die sie glauben zu kennen, alles ausprobiert oder unternommen haben, um Eltern zu werden.

 

"Mach dir keine Sorgen, du bist doch noch jung! Du hast noch genug Zeit für Kinder!"

Die Wahrheit ist, dass wir in unserer Gesellschaft immer später Kinder bekommen und damit zunehmend das Risiko eingehen, aufgrund biologischer Ursachen zumindest auf dem natürlichen Wege keine Kinder mehr bekommen zu können. Das ist eine Tatsache und wenn sich beispielsweise eine Frau bereits mit 30 Jahren Sorgen macht, dann sicherlich nicht ganz unberechtigt. Unsere langen Ausbildungszeiten, fehlender Partner oder Partnerin oder einfach das Gefühl, noch nicht bereit zu sein, sind sicher die Hauptursachen. Die Befürchtung, es könnte schwierig werden, ist nicht banal, also besser zuhören als zu versuchen, sie einfach vom Tisch zu wischen.

 

Und was kannst du machen? Es gibt viele Optionen, die einzeln oder in Kombination gut funktionieren:

- dein Gegenüber ernst nehmen und einfach nur zuhören,

- wenn angemessen, die Person umarmen, die dir so vertraut, dass sie mit dir ihre Sorgen teilt,

- künftig etwas sensibler mit dem Thema Kinder umgehen, ohne dass du das Thema ganz ausklammern musst,

- fragen, ob du künftig noch mal nachfragen kannst oder ob die Person bei Gesprächsbedarf lieber selbst auf dich zukommen mag.

 

Das war´s auch schon. Ist gar nicht so schwer...